Die Milch macht´s – nur was? Gastkommentar zum Tag der Milch von Michael Siethoff

Die Milch macht´s – nur was?
Ein Gastkommentar von Michael Siethoff
zum Tag der Milch am 1. Juni

„Milch ist gesund, ein Naturprodukt und liefert uns täglich wertvolle Mineralien, Vitamine und überhaupt, sie schmeckt lecker.“

Gemeint ist damit natürlich die Kuhmilch. Vor allem die CMA, die Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, als Lobbyorganisation der deutschen Landwirte, gibt dieses Credo aus. Ganz so gut scheint diese Jahrzehnte lange Imagewerbung nun doch nicht mehr in der Bevölkerung anzukommen, denn am 01. Juni eines jeden Jahres wird seit einiger Zeit der “Tag der Milch” ausgerufen. Ein Aktionstag, an dem für das Produkt (Kuh-)Milch geworben wird.

Aber ist die (Kuh-)Milch wirklich so toll, wie uns die Agrar-Lobbyisten suggerieren? Eins steht jedenfalls fest: Der Mensch ist die einzige Spezie, die die Muttermilch einer anderen Spezie “strukturiert” zu sich nimmt! Schon wenn man sich diesen einfachen Fakt vor Augen hält, kommen einem doch Zweifel! Eine Jahrtausende währende Selektion und Evolution sollte sich bei den Zutaten der Muttermilch vertan haben, und die Milch der Kühe ist gesünder als die eigene Muttermilch des Menschen? Und dann auch noch im Erwachsenenalter? Die Evolution hat das schon ganz gut hingekriegt. Kuhmilch ist gesund für das neugeborene Kalb, aber nicht für den menschlichen Organismus!

Für den Kalcium- und Eiweißbedarf des Menschen gibt es sehr gute natürliche Quellen, wie z. B. grüne Blattgemüse, Samen, Nüsse oder Reisproteine. Und auch als Mineralstoffquelle taugt die Kuhmilch nicht wirklich. Milch und Milchprodukte sind neben z.B. Kaffee, Cola, Fleisch so gennante säurebildende Lebensmittel, die mehr Mineralstoffe verbrauchen als dem menschlichen Körper durch Verzehr zugefügt werden. Hierzulande erkranken wesentlich mehr Menschen an Osteoporose als z. B. in Asien, Afrika oder Lateinamerika. Und das, obwohl hierzulande die Lactoseintoleranzrate wesentlich niedriger ist als in den Ländern der eben genannten Kontinente und hierzulande dementsprechend mehr Kuhmilch verzehrt wird. Überhaupt, es war erst eine Genmutation, die vor ca. 7.000 Jahren im Südural dafür sorgte, dass Menschen mit diesem Gendefekt auch im Erwachsenenalter Kuhmilch vertragen konnten und damit anfingen, Kühen und Ziegen deren Muttermilch zu stehlen.

Die Milch im Kühlregal hat auch nicht mehr viel mit der Milch zu tun, die die Kuh in den Massentierhaltungsställen so von sich gibt. Schon allein die Umstände der “Produktion” mit ihren tierquälerischen Methoden ist ein tierschutzpolitischer Skandal! Eine unglaubliche Enge in den Ställen lässt den Tieren kaum Bewegungsfreiheit. Der Tagesablauf besteht aus Fressen und Milchgeben. Das einzelne Tier ist nur noch zu einer Produktionseinheit degradiert, dem man jedes Recht auf natürliche Entfaltung geraubt hat. Um Milch zu geben, müssen die weiblichen Rinder geschwängert werden. Ein Umstand, den kaum jemand bedenkt, wenn er beherzt zur “guten Butter” greift. Die daraus resultierenden Kälber haben meistens kaum mehr ein paar Tage Zeit, bei ihrer Mutter zu verbringen. Dann werden Mutter und Kalb voneinander getrennt.

Ernährung, hier Kuhmilch, ist auch ein Politikum. Die Bürger hierzulande werden bewusst falsch informiert, um ein Konsumverhalten zu erzeugen. Die Nachteile haben in diesem Fall nicht nur die Tiere, sondern wir alle! Oder besser gesagt diejenigen, die Milch und Milchprodukte zu sich nehmen. Hier für eine ausgewogene Information zu sorgen, ist auch Aufgabe der Politik und nicht von Lobbyorganisationen, die die Politiker beeinflussen und steuern.
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